Mir geht es gut!- Nachgedanken zu einem Franklin®- Workshop für Reiter am 20.11.18

Mir geht es gutKennen Sie die lakonische Antwort auf die Standardfrage nach dem Befinden?“ Mir geht es gut “ ist der am häufigsten benutzte Satz, wenn man seine Ruhe haben will.

Abgesehen davon, dass die meisten Fragesteller mit der Antwort überfordert wären, wenn man tatsächlich mit „schlecht“ antworten würde. Je nach Gegenüber bekommt man dann ein Zucken der Augenbraue oder ein mitleidiges „Ohh, was ist denn passiert?“ Ganz selten nur hat man das Gefühl, dass die Antwort den Gesprächspartner wirklich interessiert. Meist wird die Frage nur als Floskel gebraucht und es soll schnell zum eigentlichen Thema gehen.

Noch interessanter ist, wenn man antwortet: „Exorbitant super gut!“ Die Reaktion reichen von „Hä, habe ich nicht verstanden“ über ein breites Lächeln wegen der Ausdrucksweise bis hin zu einem unverständlichen „Wie kann es Dir denn so gut gehen, bist Du verliebt?“

Aber jetzt mal im Ernst: vor zwei Tagen habe ich festgestellt, dass es mir tatsächlich ziemlich gut geht!

Sibylle Wiemer, eine befreundete Reitlehrerin aus Niedersachsen war am 20.11.18 bei uns auf dem Hof und hat einen Workshop über die Franklinmethode® für Reiter gehalten.  Schon die Tatsache, dass sie überhaupt kam, wo wir uns so selten sehen und so weit auseinander wohnen, war schön. Dann noch in Begleitung einer weiteren lieben Kollegin Sirka Horchler toppte die Begegnung.

Nichtsdestoweniger kamen die Teilnehmer aus Brandenburg und Berlin, aber eben auch aus Niedersachsen und eine aus Dortmund! Das hat mich persönlich am meisten beeindruckt: da setzt sich jemand morgens ins Auto, kommt um 14.30 auf dem Kinesiologiehof Zossen an, macht bis spätabends einen Workshop und fährt dann wieder nach Hause. Dolle Nummer, ohne Frage.

Während wir da also saßen und zu Beginn des Kurses in uns ´reinfühlten, stellte ich fest: Alles ist gut, alles ist ruhig, nichts tut weh, auch die altbekannten oft verspannten Stellen im Körper. Alles angenehm. VOR DEM WORKSHOP!

Auch die Testbewegungen gingen gut, noch viel besser als vor einem Jahr, als ich anfing, mich wegen Nackenbeschwerden behandeln zu lassen. Damals gingen viele Bewegungen schwerer.

Es ist also in dem letzten Jahr bei mir etwas passiert.

Eine ganze Menge sogar, wurde mir klar, als ich am nächsten Tag darüber nachgedachte.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren lasse ich mich regelmäßig behandeln und tue etwas für mich. Ein plötzlich auftretender Drehschwindel im letzten Jahr kam ohne Vorwarnung. Er hat einen ganzen Tag angehalten und mich ganz schön erschreckt. Der Schwindel kam von der lädierten Halswirbelsäule, die einen Trampolinsturz und zwei Auffahrunfälle hinter sich hat.

Erste Regel: Du kannst nur dann etwas Gutes für andere Menschen tun, wenn es dir selber gut geht.

Diese Lektion musste ich hart und über Jahre für mich lernen. Als Reiter sind immer erst die Pferde dran und dann Du selbst. Ist für mich selbstverständlich, aber auf einem großen Hof mit Pferden, Katzen, Hühnern und einem kleinen Kind sind erstmal allerhand Bedürfnisse vor mir dran. Und dann bist Du auch immer für die Kunden da. Auch wenn es Dir mal nicht so geht.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich nicht mehr kann. Meine Bedürfnisse waren in so weite Ferne gerückt, dass ich phasenweise nur noch funktionierte. Von einem echten “ Mir geht es gut “ war ich ganz schön weit entfernt.

Aber ich erlaubte mir, etwas zu verändern. Da war die Kinesiologieausbildung zur richtigen Zeit wirklich Gold wert. Ich habe meinen Rhythmus gefunden.

Wenn ich andere Menschen beobachte und sehe, wie sie durch ihre Termine und ihr Leben jonglieren, habe ich oft das Gefühl, dass da ein eigener Rhythmus fehlt.

Weiterhin bin ich froh, dass ich hier gelandet bin. Mit Mann und Kind auf einem alten Bauernhof mit eigenen Tieren: es kann schlechter laufen. Sicherlich ist es auch viel Arbeit, aber manchmal wird mir klar, dass ich die Kraft hatte, meine Lebenstraum zu erfüllen. Mal fühle ich das mehr, mal weniger.

Aber Dienstag Abend war so ein Moment: ich fühlte, dass ich angekommen bin!

In meinem Leben, in meinen Aufgaben und was noch viel wichtiger ist in meinem Körper. Mir geht es gut, war eine dankbare Erkenntnis.

Während wir da so über die Rollen turnten und Faszienschlingen nachfuhren, stellte ich fest, wie locker sich mein Körper anfühlte. Gegenüber der Zeit vor einem Jahr, als ich zum ersten Mal bei einem Faszientraining vom Landessportbund Berlin war, lagen Welten zwischen dem damaligen und heutigen Köpergefühl. Ich fühlte mich damals viel gestresster.

Faszien reagieren auf Stress, das weiß ich schon länger. Sie reagieren auch auf Emotionen: je zufriedener man ist, desto entspannter sind auch sie.

Doch der Hauptgrund liegt glaube ich woanders- Als ich vor 3 Wochen von der Fortbildung aus Hamburg zurückkam, hat mich der letzte Vortrag besonders beeindruckt: Gerhard Moser von www.NEXYT.at erzählte ziemlich provokant von dem Phänomen, dass der moderne Mensch sich durch sein Laptop- und smartphonegesteuertes Leben, seinen Zucker- und Fettkonsum und seinen stressigen Lebensrhythmus selbst ins Grab bringt.

Jeder ist für den Zustand seines Körpers selber verantwortlich.

Er erzählte so viel Wahres, so viel, was ich aus anderem Zusammenhang schon kannte, so nett im Plauderton, dass ich aufwachte. Ich möchte keinen Diabetes oder chronische Darmbeschwerden bekommen oder im Burn Out landen. Ich möchte gerne und gesund alt werden. 105 ist mein anvisiertes Ziel.

Ohne groß darüber nachgedacht zu haben, verkündete ich am nächsten Morgen zuhause beim Sonntagsfrühstück, dass ich ab jetzt auf Kaffee, Weißzucker und Milchprodukte verzichte.

Den Kaffee ehrlich gesagt nicht aus Koffeingründen, sondern weil ich ausprobieren wollte, wie es ist, komplett ohne Milch zu leben. Und da mein Starter in einen schönen Tag und in ein wohlverdientes Pausengefühl schon seit langer Zeit ein großes Glas Milchkaffee ist, musste der eben als Erstes dran glauben.

Am selbigen  Nachmittag hing ich durch. Das schob ich aber auf die anstrengenden Tage davor mit wenigen echten Ruhepausen.

Ich bekam Kopfschmerzen, die auch in den nächsten beiden Tagen nur selten nach ließen. Am folgenden Tag hatte ich ab 11.00 Patienten und war um 13.00 so müde mit schlappem Kreislauf, dass ich dachte, ich sage jetzt alles ab und gehe nach Hause.

Erst um 14.30, nach dem Essen eines Linseneintopfes wurde mir klar, dass diese heftigen Reaktionen Entzugserscheinungen sind: Kaffee, Milch und Reinzucker in Form von Schokolade fehlten jetzt 40 Stunden.

Wie ich so bin, habe ich das spontan gemacht. Ohne den Darm vorzubereiten, mich langsam mit dem Konsum auszuschleichen. Was ich mache, das mache ich sofort!

Und als mir klar wurde, was da in meinem Körper passierte, dachte ich „jetzt erst Recht“. Wenn mein Körper so heftig reagiert, dann ist es ja höchste Zeit.

Eine Woche dauerte es bis sich alles wieder normalisierte.

Dann war er vorbei. Der Entzug. Aber ich hatte in einer Woche 1 Kilo abgenommen. Jetzt sind es drei 🙂

Ich fühlte, dass alles irgendwie anders ist. Ich fühlte mich leichter, kam bei Dehnungen mit meinen Patienten besser und tiefer in die Endposition. Die Verdauung läuft wie nach der Uhr. Das hatte ich schon in den letzten beide Wochen gemerkt.

Aber so richtig realisiert, was sich in den letzten Wochen und Monaten verändert hat, habe ich erst bewusst beim Franklin® Workshop.

Im ersten Moment war ich enttäuscht, dass ich am Ende nichts Spektakuläres wahr genommen habe. Nur in dem Moment, in  dem ich ohne die Rollen lag oder saß, hatte ich an der Stelle eine tiefe Entspannung. Insgesamt wurde ich durch die Techniken natürlich schon entspannter. Aber es fühlte sich nicht so großartig anders an.

Auch konnte ich in der Nacht danach gut und 8 Stunden durch schlafen. Aber das tue ich oft. Wenn ich abends Computer, Handy oder Fernsehen aus lasse. Mich auf mich konzentriere, den Tag Revue passieren lasse, RUHE gebe.

Kann man auch alles in Anleitungen zur Stressbewältigung und Achtsamkeit nachlesen…

Dementsprechend setzte der AHA Effekt erst nach und nach ein.

Aber Gerhard Moser hat mich wachgerüttelt. Er hat erreicht, was ich irgendwie schon immer wollte.

Mir geht es gut. Auf mehreren Ebenen, das ist das Entscheidende. Denn mit der Selbstfürsorge fängt es an. „Du bist, was Du isst.“

In der Ernährungsberatung gibt es 100 verschiedene Richtungen, Erklärungsmodelle und letztendlich wie überall auch Glaubenskriege.

Ob ich dauerhaft auf Milchprodukte verzichte weiß ich momentan nicht. Tiergerechter wäre es auf jeden Fall. Ob es dem Darm mit Joghurtkulturen oder dauerhaft ohne Milchsäure gut geht, vermag ich jetzt noch nicht entscheiden. Für die Calciumverorgung und die Knochen ist der Verzehr von Käse gut, wurde uns schon in meiner Physiotherapieausbildung gelehrt.

Aber weißen Zucker und Koffein wegzulassen ist ganz sicher gut. Beides sind Drogen für den Körper und Zucker macht abhängiger als Alkohol. Wollte ich bisher auch nie glauben.

Jedes Mal, wenn ich an einer großen Tafel Milka mit den ganzen Haselnüssen vorbei lief, wollte ich DIE haben.

Jetzt nicht mehr.

Ich kann auch in der Praxis die Schale mit den Süßigkeiten anschauen, die von unseren Patienten immer gut gefüllt wird, ohne dass etwas in mir passiert: kein Appetit, kein Verlangen, kein Heißhunger! Sieht nur schön bunt aus die Schale.

Auch habe ich mal wieder Schokolade gegessen. Auch Negerküsse. Aber das Interessante ist: ich kann es tun und auch den Moment genießen. Aber ich kann es auch lassen, ohne dass irgendetwas in meinem Körper passiert.

Und das ist für mich ein guter Zustand. Wenn ich die Wahl habe, etwas zu tun, oder es zu lassen.

Dann bin ich frei und kann mich entscheiden.

Mir geht es gut -wirklich!

Fangen Sie an, die Verantwortung für sich und Ihren Körper zu übernehmen.

Niemand ist schuld daran, dass es Ihnen so geht, wie es Ihnen geht.

Ihr Zustand ist Ihr Zustand. Nur Sie können den verändern!

Das tun Sie täglich. In die eine oder in die andere Richtung. Bewusst oder unbewusst.

Nur macht man sich selten klar, welche Entscheidungen man täglich automatisch trifft.

 

Legen Sie los – verändern Sie, was Sie stört.

Es ist ein verdammt gutes Gefühl, sich gut zu fühlen!

Und das ist die Belohnung für die unbequeme Zeit davor.

Auch wenn es die nächst kleinere Kleidergröße ist, die lockt, ist das eine legitime Belohnung.