Die Energie, die alte Freunde geben

Ich habe mich letzte Woche mit alten Kollegen getroffen, die zum Teil auch alte Freunde sind.

Alt sind sie zum Teil auch geworden, aber es ist eine ganze Weile her, dass wir zusammen gearbeitet haben. Vor 16 Jahren habe ich die Praxis verlassen habe ich auf dem Weg dorthin verwundert festgestellt.

Und schön war die Zeit! Damals und mit den Kollegen. Wir haben zusammen gearbeitet, gefeiert, uns fortgebildet und sind einmal im Jahr ein Wochenende zusammen verreist. Freundschaften, Liebschaften, Streitereien, Eifersüchteleien, häufige Abende mit und ohne Alkohol…. Die Liste von dem, was wir erlebt haben ist lang.

Rückblickend wird mir klar, dass diese Zeit eine sehr intensive Zeit war.

Auch drumherum ist bei mir damals viel passiert. In diesen Jahren wollte ich das zweite Mal in meinem Leben heiraten und Kinder kriegen. In dieser Zeit ist meine Mutter krank geworden und letztendlich gestorben.

Was waren diese Kollegen für eine Stütze. Wie viele Probleme haben wir einfach davon gelacht. Sie waren damals so etwas wie Freunde und Familie für mich.

Und wie das immer so ist. Wenn man dann später wieder zusammen sitzt ist auf einmal alles wie früher. Ein Blick, ein Wort, ein Witz, großes Gelächter. „Weißt Du noch?“ Der Eine erzählt eine Geschichte, die ein Anderer ergänzt. Was Einem dann auf einmal wieder alles einfällt. Man ist eine halbe Sunde am Tisch und alles ist wieder da. Man lacht wie früher, man denkt wie früher, man fühlt sich wie damals.

Wenn alles so toll war, warum bin ich dann da weggegangen? In der Vergangenheit glänzt ja Manches goldener, als es tatsächlich war. Aber es war damals wirklich Vieles gut.

Trotzdem möchte ich mit früher nicht tauschen. Es war unbestritten eine tolle Zeit. Die mich geprägt hat. Die mich vorwärts gebracht hat. Aber in der ich mich auch weiter entwickelt habe. Und irgendwann war der Zeitpunkt für mich gekommen zu gehen.

Und das war gut so.

Merkwürdigerweise gibt es an keinem Punkt der Geschichte ein Gefühl von Wehmut. Es war gut so. Punkt. Zumindest für mich.

Denn ich habe auch die Kollegen gesehen, die noch da sind. Oder wieder dort arbeiten. Auch die haben sich weiter entwickelt und machen andere Dinge als damals.

Es gibt für alles seine Gründe und ich kann die Motivation der Ex- Kollegen gut verstehen. Aber ich möchte nicht mehr tauschen und zurück. Denn erst mit der Beschäftigung dieses Treffens wurde mir klar, was seitdem alles passiert ist.

Es gibt für alles seine Zeit. Und irgendwann ist sie zu Ende. Dann werden aus guten Freunden auch alte Freunde.

Schlimm finde ich, wenn man dieser Zeit hinterher trauert. Weil man glaubt, dass früher alles besser war. Welchen Abzweig im Leben hat man dann wohl verpasst?

Alte Freunde, die verliert man irgendwie nie. Auf jeden Fall behält man sie in Erinnerung.

Es gibt Menschen, mit denen das auch in Echt klappt. Mit denen man ein paar Minuten zusammen sitzt und alles ist so wie früher. Die Energie, das Gefühl, die Übereinstimmung. Vertraut wie ein alter Hausschuh.

Und diese Freunde und diese Gefühle muss man sich warm halten. Wenn nach über 15 Jahren das Gefühl und die Übereinstimmung noch da ist, hat man  wohl einen guten Freund an seiner Seite zu sitzen.

Und echte Freunde sind wertvoll. Alte Freunde auch.

Am Tag nach dem Treffen habe ich den ganzen Tag innerlich gelacht. Mich gefreut, dass es so nett war. Dass es die Kollegen noch gibt. Und dass es Ihnen augenscheinlich gut geht. Am nächsten Arbeitstag in der Praxis sind mir 1000 Situationen von meinem damaligen Arbeitsplatz wieder eingefallen.

Aber ES WAR einmal.

Für mich ist das ganz klar Vergangenheit. Eine Schöne, ohne Frage.

Traurig finde ich, wenn ich sehe, dass Jemand immer noch dieselben Träume von damals hegt oder wenig von dem, was er immer machen wollte umgesetzt hat.

Für mich ist der Weg, der zählt. Das Ziel, das mich in meine Gegenwart gebracht hat und mir eine Richtung für die Zukunft gibt. Dann weiß ich, wo ich lang möchte. Dann weiß´ ich auch, wo ich hingehöre.

Aber ich nutze die Kraft, die mir das Lachen mit meinen Kollegen von letzter Woche geschenkt hat. Die Wärme, die von der Vertrautheit alter Freunde ausgeht.

Und ich nehme das leise Lächeln mit in mein jetziges Leben. Dann das Damals hat mich zu einem Teil von dem gemacht, was ich heute bin.

Da gibt es keine Traurigkeit, keine Wehmut.

Wenn es damals anders gelaufen wäre, wäre ich vielleicht noch da und hätte mich dort weiter entwickelt. Wenn es hätte sein sollen, dann wäre ich jetzt irgendwo dort.

Vielleicht auch gut.

Ich bin froh über den Schritt, den ich damals unternommen habe. Den ersten Schritt, der mich in mein heutiges Leben geführt hat. Ich bin dankbar für die Chancen, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Aber ich weiß auch, dass mich das Lachen der Menschen von damals gestärkt hat.  Dass ich mich als ein Teil von Ihnen gefühlt habe. Dieses Gefühl nehme ich in mein Jetzt mit und freue mich, dass es sie gibt. Unser gemeinsames Lachen kann mir zurück in die gute Laune helfen, wenn mal nicht so läuft. Das haben wir damals so gemacht und das kann mir auch heute helfen.

Und ich freue mich, dass es sie gibt. Weil sie tolle Menschen sind. Und wir damals eine tolle Zeit hatten.

Und das ist gut so!

Es lebe die Energie, die alte Freunde bringen. Man darf sie auch später nutzen, wenn man an sie denkt!