Das Leben ist schön!- Impressionen von der 11. Bildungskonferenz der FN in Neustadt Dosse am 12.06.18

Bildungskonferenz am 12.06.18 in Neustadt an der Dosse

11. Bildungskonferenz der FN

Ich sitze im Regio von Berlin Hauptbahnhof nach Neustadt an der Dosse zur 11. Bildungskonferenz der FN.  Der Zug hält am Zoologischen Garten: Kindheitserinnerungen und Bilder von den letzten Zoobesuchen steigen vor meinem inneren Auge auf. Irgendwie surrealistisch, wenn man in einer grünen Lunge inmitten der Stadt Gorillas und Giraffen anschaut und dabei neu erbaute Hochhäuser erblickt.

Nun sitze ich im oberen Stockwerk des Zuges und genieße den Ausblick. In mir klingt ab und zu ein Lied an: „My home ist where my heart ist, sweet to surrender… “ von Erasure. Wenn ich durch Berlin und Brandenburg fahre fühle ich ein Gefühl von Heimat.

Erasure, ein Konzert mit ihm vor knapp hundert Besuchern im Berliner Metropol, wo er im roten Lederfrack tanzt, ist mir in guter Erinnerung. Dieses und viele andere Bilder hatte ich im Kopf, als ich am Wochenende auf einer Party nach vielen Songs aus dieser Zeit getanzt habe. Mich mal wieder ausgetanzt habe. Müde, aber warme Beine, einen lockeren Bauch, Musik im Ohr. Ein schönes Gefühl.

So ähnlich soll es sich auf dem Pferd anfühlen: warme, mittelmäßig aktive Beine, die locker mitschwingen, ein warmes und bewegliches Becken, Freude an der Bewegung und ein Rhythmus im Ohr, die einen in die richtige Stimmung versetzt. Diesen Rhythmus übertrage ich durch meinen Körper auf das Pferd oder lasse mich von dem Rhythmus des Pferdes mitnehmen- je nachdem was mein Ziel der heutigen Reiteinheit ist.

Gut eingestimmt und neugierig bin ich auf die 11. Bildungskonferenz der FN: Ich freue mich, Kollegen und Freunde zu treffen, Neues zu hören und Referenten zu sehen, die ich aus einem anderen Zusammenhang kenne. Das Thema passt auch: „ Erfolgreiches Lehren und Lernen im Pferdesport: Vom Ponykind zum erwachsenen Pferdesportler“.

Meine Reitkurse und auch die teilnehmenden Reiter verändern sich: von der 9 Jährigen Tochter mit Mutter in mittleren Alter bis hin zur knapp 60 Jährigen Einsteigerin ist alles dabei. Vorbereitung und Planung gehört zu einem solchen Kurs auch dazu, damit alle Teilnehmer den richtigen Input bekommen. Und Anregungen hierfür nehme ich gerne auf.

Nun zur 11. Bildungskonferenz der FN:

Nach dem normalen Geplänkel der Eröffnung und Begrüßung beginnt es mit interessanten Rednern: Jessica Lichtenberg, die zu der Zeit, als ich selber noch im Voltisport aktiv war, als Jessica Schmitz in der Erfolgsgruppe Neuss Grimlinghausen voltigiert hat. Nun ist sie selbst Mutter und hat ihr Team Neuss 10 Jahre lang zu zahlreichen Deutschen Meisterschafts- Europameisterschafts- und Weltmeisterschaftstiteln geführt. Henning Müller, das Urgestein der Ausbildungsabteilung im Landesgestüt Neustadt Dosse, und Anne Oppen aus dem Brandenburgischen reden über die Rolle des Trainers in der Trainingsplanung.

Sympathische Worte findet Jessica Lichtenberg dazu: sie befragt Ihre Athleten, welche Ziele sie in der nächsten Saison haben. Deren Visionen sind ihr wichtiger als die des Trainers, der bei der Umsetzung nur unterstützen kann. Außerdem findet sie, dass ein Trainer auch nicht immer pädagogisch wertvoll sein muss. Wenn er authentisch ist, darf er auch mal meckern und sich danach entschuldigen. Damit bleibt er glaubhaft und hilft dem Sportler, sich selbst zu finden.

Henning Müller findet gute Schulpferde, von denen Schüler durch Sitzgefühl und Ausbildungsstand lernen, wichtig. Er betont, dass der Trainer auch bereit sein muss, seinen Schützling abzugeben, um ihn zu fördern. Dann zu einem Trainer, dem er vertraut, dass der Schüler irgendwann gerne zurückkommt.

Anschließend hält Kai Vorberg, der Bundestrainer der Voltigierer und Leiter der neuen DOKR Trainerakademie in Warendorf

einen mitreißenden Vortrag über die Konzeption in Training und Ausbildung. Auch die reiterliche Ausbildung unterliegt einer gewissen Konzeption, was sich unter anderem in der Karriereplanung des Reitabzeichensystems zeigt. Er schaut dabei, wie es in anderen Sportarten gehandhabt wird. In Folien stellt er die Vorgehensweise bei den Turnern, Judokas und  britischen Reitern vor. Kurz gefasst geht es immer um Trainingsstufen, die aufeinander aufbauen. Basisschulung, Grundlagenschulung, Aufbau- und Anschluss-, bzw. Leistungstraining sind die Fachbegriffe dazu.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Reitsportler ist, dass auch Leistungssportler nach der aktiven Karriere selten aufhören. Oft bleiben sie dem Pferd verbunden und reiten im „Beibehaltungsmodus“ weiter.

Auch in der Vorstellung der Unterrichtserteilung der 11. Bildungskonferenz der FN wird deutlich, dass die seit Jahrzehnten national und international erfolgreiche Voltigierer mehr Einfluss gewinnen. Lina Otto und Dr. Meike Riedel stellen vor, wie Kinder altersentsprechend und vielseitig ans Reiten herangeführt werden. Die Demofilme enthalten viele Elemente, die Voltigierer schon lange im Einsteigerbereich machen.

Die FN stellt sich breiter auf und übernimmt Einflüsse aus anderen Bereichen, das gefällt mir.

Die praktischen Lehrvorführungen mit Kindern und Jugendlichen demonstriert Rolf Petruschke. Er hat gerne einen flotten Spruch auf der Lippe, geht individuell auf die Reiter und ihre Pferde ein und hebt die Rolle eines gut ausgebildeten und charakterstarken Schulpferdes hervor.

Sehr interessant fand ich den Teil „Eigenständiges Arbeiten und Entwicklung von Handlungsfähigkeit am Beispiel des Schulsportes“.  In einem Vortrag und praktischen Unterrichtsbeispielen zeigt Dörte Ewald wie „Reiten in der Schule“ an der Prinz-von Homburg Schule und dem Gestüt Neustadt Dosse umgesetzt wird.

„Die Spezialklasse Reitsport soll durch eine Verknüpfung von schulischer Bildung und sportlicher Ausbildung zur weiteren Ausgestaltung der Nachwuchsförderung beitragen. Für die Entscheidung, ob sie später im Dressur-, Spring- oder Vielseitigkeitssattel landen möchten, bekommen die Reiter Zeit und qualifizierte Betreuung durch die Lehrertrainer.

Spezifisches Ziel der Spezialklasse Reitsport ist es:

– ein dauerhaftes Interesse am Leistungssport zu vermitteln und
– auf sportliche Spitzenleistungen im Höchstleistungsalter vorzubereiten“

https://www.homburgschule.de/unsere-schule/reitsport-in-der-schule

Ehrlich gesagt bin ich beeindruckt von dem Modell und dem Engagement aller Beteiligten. Was diese jungen Menschen in der 9. und 10.Klasse können. Wie sie sich selber einschätzen, ihre Leistungen reflektieren und auf Nachfrage Lösungsansätze bieten finde ich großartig.

So ist der Nachmittag kurzweilig und wird von der tollen Demonstration von Sandra Auffahrt beendet. Hat diese Frau ein Gefühl. Sie sitzt kerzengerade und geschmeidig und fühlt von oben, was alle sehen. Ob die Kruppe oben ist, wie die Hinterhandaktivität und der Ganaschenwinkel ist. Großartig.

Sie reitet ein ihr unbekanntes siebenjähriges Pferd und zeigt mit Markus Scharmann, wie man junge Pferde an große Aufgaben heranführt. Ein toller Abschluss.

Jetzt bin ich müde und zufrieden auf dem Heimweg von der 11. Bildungskonferenz der FN

Ich freue mich auf die Nächste im kommenden Jahr. Während ich in meinem Auto sitze, um vom Bahnhof nach Hause zu fahren, höre ich mit meinem inneren Ohr: „My home ist where my heart ist, sweet to surrender…“

Wieder einmal wird mir klar, dass ich total gerne unterwegs bin. Dass ich es genieße, meine Verpflichtungen zuhause zu lassen und mich an so einem Tag nur auf mich zu konzentrieren. Aber sobald ich mich meinem Hof nähere, bin ich echt froh dort zuhause zu sein. Und ich freue mich auf meine Lieben.